Hoffnungszeichen


Hoffnungszeichen

 April 2021 Paul Weitzer

Die Schweizer Kirchen starten ab Ostern mit einer neuen Initiative: Auf www.lichtschenken.ch kann man virtuell Lichter anzünden und so ein Lichtermeer der Solidarität bilden. Ökumenisch gemeinsam veröffentlichen die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS), die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz, die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Christkatholische Kirche der Schweiz, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz und die Schweizerische Evangelische Allianz dafür eine dreisprachige Gedenkseite. Die Pressesprecherin der SBK, Encarnación Berger-Lobato, dazu im Gespräch mit Radio Vatikan: Wegen Corona „war es der SBK und anderen christlichen Kirchen wichtig, eine ökumenische Solidaritätsaktion zu starten und so ein gemeinsames Zeichen der Hoffnung zu setzen. […] Diese Kerzen werden uns vom Karsamstag bis zum Pfingstmontag begleiten und uns immer wieder daran erinnern, dass Jesus Christus das Licht in unserem Leben ist und dass nicht der Tod die Pandemie besiegen wird, sondern das Leben und die Hoffnung.“ Was von vornherein klar war: Es sollte ein ökumenisches Projekt sein. Für Rita Famos, Präsidentin der EKS, ist es wichtig, das Osterlicht, das das Leben symbolisiert, weiterzugeben. „Lichtschenken.ch wird eine ganz andere Art von Corona-Demonstration sein: Eine Demonstration unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.“ (vn v. 3. 4.)

  1. Zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche hat es „nie ein großes endgültiges Schisma“ und keine gültige gegenseitige kirchliche Verurteilung gegeben – und es sei auch keine offizielle große Spaltung vollzogen worden. Das betont der Grazer orthodoxe Theologe und stellvertretende Vorsitzende der Grazer „Pro Oriente“-Sektion, Prof. Grigorios Larentzakis. Es stimme auch nicht, dass das Jahr 1054 für eine solche Bruchstelle herangezogen werden könne. 1054 war Kardinal Humbert im Auftrag von Papst Leo IX. nach Konstantinopel gereist, um ein militärisches Bündnis gegen die Normannen zu schließen, was leider misslang. Unglückliche Umstände führten dann dazu, dass er den Patriarchen Michael Kerullarios exkommunizierte. Kurz darauf folgte die Gegenexkommunikation. Dies hat jedoch für die Gesamtkirche wenig bis keine Bedeutung gehabt. Zum einen hatte Humbert am 16. Juli 1054 kein Recht und schon gar keinen Auftrag gehabt, die Bannbulle auf dem Altar der Hagia Sophia niederzulegen. „Diese Exkommunikation war also ungültig“, so Larentzakis. Zweitens habe sich die Bannbulle nur gegen den Patriarchen Michael Kerullarios und dessen Anhang, und nicht gegen den byzantinischen Kaiser oder gegen die ganze östliche Kirche gerichtet. Drittens: Auch der Patriarch exkommunizierte nicht die ganze abendländische Kirche, sondern nur Kardinal Humbert und seine Hintermänner. Larentzakis verweist auf Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., der in einer Arbeit darlegte, dass Kardinal Humbert in der gleichen Bulle, mit der er den Patriarchen exkommunizierte, zugleich den Kaiser und die Bürger von Konstantinopel als sehr christlich und rechtgläubig bezeichnete. Weder im Osten noch im Westen hatte man damals die Überzeugung, dass durch die besagten Exkommunikationen ein endgültiges großes Schisma zwischen Ost- und Westkirche entstanden sei. So wurden folgerichtig am 7. Dezember 1965 beim gemeinsamen ökumenischen Akt in Rom und Konstantinopel die Exkommunikationen aus dem Jahre 1054 wörtlich „aus der Mitte und dem Gedächtnis der Kirche entfernt“. Die Exkommunikationen wurden also nicht aufgehoben, weil es nichts aufzuheben gab. Allerdings war damals ein großer Entfremdungsprozess zwischen Ost und West die Folge. Dieser habe jedoch bereits lange vor 1054 eingesetzt. Larentzakis nennt als Beispiel der Entfremdung die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204. Aber auch damals bzw. in den Jahrzehnten danach habe nicht das Gefühl vorgeherrscht, dass es sich bei der West- und Ostkirche um zwei völlig getrennte Kirchen handelte. Die Gültigkeit der Sakramente im Osten wurde von den Lateinern nicht infrage gestellt, die orthodoxen Kleriker blieben im Amt, teils versahen auch lateinische Kleriker in orthodoxen Gemeinden ihren Dienst. Mischehen zwischen Lateinern und Orthodoxen waren stets erlaubt und wurden auch praktiziert. Eine verfestigte Entfremdung macht Prof. Larentzakis erst für das 16. Jahrhundert aus: Mitte dieses Jahrhunderts etablierte sich in Rom die Theorie der Unterwerfung der „Schismatischen Kirchen des Ostens“. Die Theorie der ekklesiologischen und soteriologischen Exklusivität der römisch-katholischen Kirche wurde entwickelt und praktiziert, wonach es für die Christen unabdingbar für ihr Heil sei, unter der Obhut des Papstes in Rom zu stehen. Trotzdem gab es orthodoxerseits stets Positionen, die das Kirche-Sein der römisch-katholischen Kirche und deren Sakramente anerkannten. Auch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) spreche von der Gültigkeit der Sakramente in der Orthodoxen Kirche und empfehle sogar in bestimmten Fällen die Praktizierung der sakramentalen Gemeinschaft. So gibt es weder auf orthodoxer noch römisch-katholischer Seite ein Datum oder ein Dokument, mit dem ein vollständiges Schisma belegt werden könnte, resümierte Prof. Larentzakis, Mitglied zahlreicher internationaler ökumenischer Kommissionen und Gremien. (pro oriente u. vn v. 5. 4.)

  2. Die aktuelle Debatte über die Sterbehilfe steht im Mittelpunkt der bundesweiten ökumenischen „Woche für das Leben“ der beiden großen Kirchen Deutschlands vom 17. bis 24. April. Der zentrale Auftakt dazu findet mit einem ökumenischen Gottesdienst im Augsburger Dom statt, an dem Bischof Georg Bätzing, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie die Augsburger Bischöfe Axel Piper und Bertram Meier teilnehmen. Im Zentrum der Aktion stehen die Sorge um Schwerkranke und sterbende Menschen durch palliative und seelsorgliche Begleitung. „Aus der Gottebenbildlichkeit des Menschen folgt für uns Christen seine unantastbare Würde, die uns verpflichtet, für den Schutz jedes menschlichen Lebens einzutreten,“ erklären Bischof Bätzing und Bischof Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort des Themenhefts. Das Bundesverfassungsgericht Deutschlands hatte im Februar 2020 das 2015 vom Bundestag beschlossene Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung aufgehoben. Denn es gebe ein umfassendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Darin sei die Freiheit eingeschlossen, die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. (kna u. vn v. 8. 4.)

  3. Vertreter der verschiedenen christlichen Konfessionen haben in der Kustodie des Hl. Grabes in Jerusalem die traditionellen Ostergrüße ausgetauscht. Die Delegationen wurden vom Kustos des Heiligen Landes, Francesco Patton, und von Franziskanern aus dem Erlöserkloster begrüßt. Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilus III. sagte: „Heiligen Grab, das alle Gemeinschaften umfasst, […möge allen] das Licht der Auferstehung zu bringen“. Die Vertreter der äthiopischen Kirche erinnerten daran, dass wir „Gott zutiefst danken müssen für diese ruhigere Zeit, in der wir Ostern feiern dürfen.“ Der Vertreter der koptischen Delegation sagte, dass es „in dieser Zeit der Pandemie notwendig [ist], eine Botschaft der Freude zu geben“, während die Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche um die Fürsprache Gottes für den Frieden in der Welt und die Heilung der Kranken baten. Eine Delegation der Kustodie besuchte dann das griechisch-melkitisch-katholische Patriarchat. (vn v. 9. 4.)

Hoffnungszeichen Dez. 2020  (+Anfang Jänner 2021) Paul Weitzer

  1. Im Zeichen der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums stand das Ökumenische Friedensgebet für Äthiopien und Eritrea in der Wiener Canisiuskirche, zu dem „Pro Oriente“ mit der Arbeitsgemeinschaft der afro-asiatischen und lateinamerikanischen Gemeinden in der Erzdiözese Wien eingeladen hatten. Die entscheidenden Mt-Verse über die Nächsten- und Feindesliebe wurden auf Amharisch, Tigrinya und Deutsch proklamiert. Der „Pro Oriente“-Vizepräsident, em. Univ.-Prof. Rudolf Prokschi, bezeichnete diese Worte der Bergpredigt als „größte Herausforderung“. Der Präsident von „Pro Oriente“, Botschafter i. R. Alfons M. Kloss, gedachte in seiner Fürbitte der verfolgten Christen in Äthiopien und in aller Welt. Das Vaterunser wurde von allen Anwesenden gemeinsam in ihren Sprachen gebetet. Ausschlaggebend für das Friedensgebet waren die blutigen Auseinandersetzungen zwischen äthiopischen Bundestruppen und der Regionalregierung der Region Tigray. Das Friedensgebet wurde vom armenisch-apostolischen Bischof Tiran Petrosyan und dem Wiener Weihbischof Franz Scharl geleitet. (vn v. 9. 12.)

  2. Mit einem ökumenischen Gebet für Frieden und Gewaltlosigkeit in Weißrussland haben die evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die deutsche römisch-katholische Bischofskonferenz (DBK) und die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) im Berliner Dom auf die Lage in Belarus hingewiesen. Dem Friedensgebet standen die Auslandsbischöfin der EKD, Petra Bosse-Huber, Erzbischof Heiner Koch als Vorsitzender der Unterkommission für Mittel- und Osteuropa der DBK, sowie der Vorsitzende der ACK, Erzpriester Radu Constantin Miron, vor. An der Vorbereitung waren beteiligt: der Arbeitskreis Christliche Vision des belarussischen Koordinierungsrates und die Hilfswerke Renovabis und Brot für die Welt. Als Vertreterin der belarussischen Protestbewegung sprach Swetlana Tichanowskaja ein Grußwort. Die Bischöfin Bosse-Huber verlangte nach einem „Dialog zwischen Regierung und Zivilgesellschaft“. Erzbischof Heiner Koch betonte in seiner Predigt: „Ihr seid in Belarus nicht allein, wir stehen zu Euch! […] Und wir lernen, dass die Kirche mutig sein muss und bereit, Stellung zu beziehen, wo die Menschenwürde und die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.“ Erzpriester Radu Constantin Miron erklärte: „Mit diesem Friedensgebet geben wir unserer großen Sehnsucht nach Frieden und Gewaltlosigkeit in Belarus Ausdruck. Die ACK in Deutschland trägt diesen Namen, weil wir […] gemeinsam arbeiten wollen für die Einheit der Kirche Jesu Christi, für das gemeinsame Zeugnis, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung Gottes.“ (vn v. 14. 12.)

  3. Weihnachten 2020 findet trotz Corona-Pandemie statt – und zwar ökumenisch im Internet: Das Schweizer Projekt heißt „Trotzdem Licht – Weihnachten findet statt“ und ist ein zweiminütiges Video, dass man gratis in die eigene Website einbauen oder in Gottesdiensten verwenden darf. Das Weihnachtsvideo trägt die Weihnachtsbotschaft musikalisch vor. An dem ökumenischen Projekt sind u. a. beteiligt: der Einsiedler Abt Urban Federer, der Theologiestudent Claude Bachmann von der Fachstelle für offene kirchliche Jugendarbeit, Gunda Brüske, Co-Leiterin des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz, sowie Martin Schmidt, reformierter Kirchenratspräsident von St. Gallen. (vn v. 15. 12.)

  4. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg will am Heiligen Abend ein Zeichen setzen: Unabhängig von der Konfession sollen am 24. Dezember um 14.55 Uhr die Glocken aller Lübecker Kirchen gleichzeitig läuten. Darauf habe sich die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) geeinigt. Dadurch soll trotz fehlender Gottesdienste die Weihnachtsbotschaft von Liebe und Frieden auf Erden erlebbar werden, sagte die Pröpstin des Kirchenkreises, Petra Kallies. Der ACK gehören neben der evangelisch-lutherischen und der römisch-katholischen auch die reformierte Kirche sowie Baptisten, Methodisten, Mennoniten, die Freie evangelische Gemeinde und die Heilsarmee an. (dpa u. sz.de v. 16. 12.)

  5. Die jährliche Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Januar und die ebenfalls jeweils im Januar stattfindende „Allianzgebetswoche“ der evangelikal geprägten Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) sollen künftig stärker ökumenisch vernetzt werden. Wie der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg (ÖRBB) in Berlin ankündigte, wollen der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), Radu Constantin Miron, und der Generalsekretär der DEA, Reinhard Schink, am 16. Januar 2021 in Berlin eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnen. Seit 1968 werden die Gebetstexte für die Gebetswoche für die Einheit der Christen vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen herausgegeben. Erarbeitet werden sie von ökumenischen Vorbereitungsgruppen aus wechselnden Ländern. Ähnlich verhält es sich mit der Allianzgebetswoche, die 1856 in Hamburg initiiert wurde und nach DEA-Angaben die am längsten jährlich stattfindende überkonfessionelle Veranstaltungsreihe ist. Beim dritten schon ökumenisch ausgerichteten Gebetstag mit dem Titel „Eins“ im Januar 2020 wurden innerhalb eines ökumenischen Gottesdienstes „Gebetsstationen“ in den unterschiedlichen konfessionellen Traditionen angeboten: Taize-Gebet, tänzerisches Gebet, orthodoxes Gebet, Litanei-Gebet, afrikanischer Lobpreis, Gebet für die Stadt in freikirchlicher Tradition. Am Ende stand ein „Worship-Konzert“. (kna u. vn v. 17. 12.)

  6. Eine Woche vor Weihnachten haben der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, ein gemeinsames ökumenisches Wort zum Christfest veröffentlicht: „Fürchtet euch nicht!“: Mit dieser Botschaft hätten die Engel die Geburt Christi in der Welt angekündigt. Diese Botschaft gelte uns bis heute. Denn die Corona-Lage macht Angst. „Wir halten uns in aller Angst und Bedrängnis an dem Kind in der Krippe fest und vertrauen darauf, dass Gott in allem bei uns ist. Gott bei euch.“ (vn v. 17. 12.)

  7. Normalerweise findet das sogenannte „Ökumenische Theologische Studienjahr“ an der Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem statt. Doch wegen der Corona-Beschränkungen mussten die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Rom ausweichen. Dort empfing sie Papst Franziskus in Audienz und sagte: „Das Studienjahr ist eine Gelegenheit für Studierende der katholischen und evangelischen Theologie, die biblischen Stätten kennenzulernen und den Ostkirchen sowie der jüdischen und islamischen Welt zu begegnen. Auch wenn ihr in diesem Jahr diese Erfahrung nicht im Heiligen Land machen könnt, […] so sollen das vertiefte Studium der Heiligen Schrift, die Ökumene und der interreligiöse Dialog stets ein typisches Kennzeichen eures Programms bleiben”. Der Leiter des Studienjahres, P. Nikodemus Schnabel OSB erklärte: „Wir tun das eben seit 47 Jahren gemeinsam, ökumenisch – und auch mit Schwerpunkten, die in Zukunft wohl immer wichtiger werden. Damit meine ich Ökumene nicht nur evangelisch-katholisch, sondern auch hin zu den Ostkirchen, und den Dialog mit Judentum und Islam…“ (vn v. 18. 12.)

  8. Die Kirchen im Bundesland Sachsen-Anhalt (80 Prozent Konfessionslose, 15 Prozent Christen) arbeiten beim Religionsunterricht enger zusammen: Wenn es an einer Schule evangelische und römisch-katholische Religionslehrkräfte gibt, können sie den Unterricht in Klassen der jeweils anderen Konfession im jährlichen Wechsel erteilen. (JA v. 20. 12.)

  9. Das gemeinsame Vorhaben von Papst Franziskus und dem Anglikanerprimas Justin Welby, den Südsudan zu besuchen, bleibt aufrecht: Das bekräftigen beide in einem gemeinsamen Schreiben an politische Persönlichkeiten den Südsudan. Die Botschaft trägt auch die Unterschrift des Vorsitzenden der Generalversammlung der Church of Scotland, Martin Fair. Franziskus, Welby und Fair erinnern an die Begegnung der beiden Widersacher Riek Machar und Salva Kiir mit dem Papst im Vatikan vom April 2019. Dabei kniete der Papst nieder, um beiden die Füße zu küssen. Man freue sich über die inzwischen erzielten „kleinen Fortschritte“ auf dem Weg zum Frieden: „Wenn wir auf Besuch kommen, möchten wir Zeugen einer veränderten Nation sein“. An der Spitze des Südsudan sollten auch veränderte Politiker stehen, die „einander an der Hand halten, vereint wie einfache Bürger, um Väter (und Mütter) der Nation zu werden“, wiederholt das Schreiben die Worte, die Franziskus bereits im April 2019 an sie gerichtet hatte. Der Bürgerkrieg hat seit 2013 an die 400.000 Todesopfer gefordert, vier Millionen Menschen ergriffen die Flucht. (vn v. 24. 12.)

Hoffnungszeichen ab 9. Nov. 2020  (+Anfang Dez. 2020) Paul Weitzer

  1. Der anglikanische Primas Justin Welby beurteilt die Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus positiv: Der Text stelle Christus in die Mitte und entwerfe „eine ehrgeizige und mutige Vision einer künftigen, besseren Welt“, sagte er in einem Interview mit Vatikanmedien. Er ermunterte auch dazu, in den ökumenischen Bemühungen nicht nachzulassen. „Die Menschen haben eine Tendenz dazu, Barrieren zu errichten und ihr Territorium abzustecken. Das passiert in der Kirche, aber auch in der Politik. Die ökumenische Bewegung tut nichts anderes, als diese Barrieren allmählich zu schleifen.“ Er würdigte die „Gemeinsame Erklärung der Kirchen zur Rechtfertigungslehre“, die vor zwanzig Jahren erreicht wurde, als ausgesprochen wichtigen Schritt. (vn v. 17. 11.)

  2. In Deutschland planen Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), am Heiligen Abend in München einen ökumenischen Gottesdienst unter freiem Himmel. „Wir wollen damit eine Gelegenheit bieten, die wunderbare Weihnachtsbotschaft mit einer größeren Anzahl Menschen zu feiern, als die Corona-Schutzmaßnahmen in einer Kirche erlauben würden“, sagte der EKD-Chef. Kardinal Marx betonte, das Ziel einer sichtbaren Einheit in versöhnter Verschiedenheit sei für beide Kirchen „sehr attraktiv und nicht unrealistisch“. (kap u. kna v. 20. 11.)

  3. Die katholischen Bistümer Limburg und Mainz sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) rufen ihre Mitglieder zum gemeinsamen Gebet auf. Nach eigenen Angaben wollen die Kirchen mit der ökumenischen Aktion unter dem Titel „Miteinander und füreinander beten!“ in der Adventszeit positive Impulse setzen. „Gott ist bei uns, anders, als wir denken“, schreiben die Kirchen. Der Kirchenpräsident der EKHN, Volker Jung, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Limburger Bischof Georg Bätzing rufen dazu auf, in der Adventszeit jeden Abend um 19.30 Uhr ein Licht in das Fenster zu stellen und „miteinander und füreinander zu beten“. Die Aktion ist Teil der bundesweiten Kampagne „Fürchtet euch nicht. Gott ist bei euch!“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). (welt.de v. 27. 11.)

  4. Am Fest des heiligen Andreas, des Schutzpatrons des Patriarchats von Konstantinopel, wandte sich der Papst handschriftlich an seinen „geliebten Bruder“ Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie. An der feierlichen Göttlichen Liturgie zum Hochfest des Apostels im Phanar nahm traditionsgemäß eine Vatikandelegation unter der Leitung des Kurienkardinals Kurt Koch teil. In seiner Botschaft an den Patriarchen erinnert sich der Papst „mit großer Freude“ an die letzte gemeinsame Begegnung aus Anlass des ökumenischen und interreligiösen Friedenstreffens in Rom am vergangenen Oktober: „Konflikte und Gewalt werden niemals aufhören, solange nicht alle Menschen zu einem tieferen Bewusstsein gelangen, dass sie als Brüder und Schwestern eine gegenseitige Verantwortung tragen.“ Vor diesem Hintergrund hätten die christlichen Kirchen gemeinsam mit anderen religiösen Traditionen die „vorrangige Pflicht“, ein „Beispiel für Dialog, gegenseitigen Respekt und praktische Zusammenarbeit“ zu geben. Er erinnerte daran, dass eine Enzyklika des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zur Ökumene schon vor hundert Jahren an die Kirchen in aller Welt gesendet worden war. „Wenn die einzelnen Kirchen von der Liebe inspiriert sind und diese bei ihrem Urteil über andere über alles andere setzen“, zitiert Franziskus aus dem historischen Schreiben, „können sie die bestehenden Unstimmigkeiten, anstatt sie zu verstärken, verringern. […] Auch wenn Hindernisse bestehen bleiben“, vertraue er darauf, dass das Ziel „einer Wiederherstellung der vollständigen Einheit“ zu erreichen sei, „die sich durch die Teilnahme am selben eucharistischen Altar ausdrückt“. Die römisch-katholischen Besucher unter der Leitung des Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Kurt Koch nahmen in der Patriarchalkirche des heiligen Georg im Phanar an der Göttlichen Liturgie teil, die der Ökumenische Patriarch leitete. (vn v. 30. 11.)

Hoffnungszeichen Juli 2020  (+Anfang Aug. 2020) Paul Weitzer

 Die römisch-katholische Diözese Erfurt und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gedenken am 18. Juli der österreichischen Priestermärtyrer Otto Neururer und Matthias Spanlang. Sie wurden vor 80 Jahren im Konzentrationslager Buchenwald ermordet. Otto Neururer wurde am 25. März 1882 in Piller in Tirol geboren. Weil Neururer als damaliger Pfarrer von Götzens in Tirol einer jungen Frau von der Ehe mit einem aus der Kirche ausgetretenen geschiedenen Nationalsozialisten abriet, verhaftete ihn die Gestapo am 15. Dezember 1938 und brachte ihn später ins KZ Buchenwald. Auch im KZ wirkte Neururer als Seelsorger. Als ein Mithäftling getauft werden wollte, begann er mit seinem aus dem oberösterreichischem Kallham stammenden Mitbruder Matthias Spanlang trotz Verbots den Glaubensunterricht. Neururer wurde Ende Mai 1940 nackt und kopfüber an den Füßen aufgehängt, bis nach 36 qualvollen Stunden der Tod eintrat. Spanlangs Tod wurde vier Tage später beim Gefangenenappell im KZ Buchenwald bekannt gegeben. Spanlang und Neururer wurden 1996 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer seliggesprochen. Der ökumenische Gottesdienst findet am 1. Juli auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ Buchenwald statt. (kap u. vn v. 14. 7.)

Hoffnungszeichen ab 11. Mai 2020  (+Anfang Juni 2020) Paul Weitzer

 Christen im deutschen Sprachraum bitten gemeinsam um den Heiligen Geist im Hinblick auf das kommende Pfingstfest und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie: Dieses Anliegen steht hinter der ökumenischen Gebetsinitiative „Österreich betet gemeinsam“, die u. a. von Kardinal Christoph Schönborn und weiteren österreichischen Bischöfen unterstützt wird. Ein ähnliches Ziel verfolgt die von Deutschland ausgehende Initiative „Gemeinsam vor Pfingsten“. Von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten soll gebeten und gefastet werden. Zum Auftakt am 21. Mai werden in Österreich von 19.00 bis 20.30 Uhr in einem Livestream verschiedene Gebetsanliegen. Auf Donnerstag, 28. Mai fokussiert sich die Initiative „Gemeinsam vor Pfingsten“ auf das deutsche Fulda, wo ein zentrales Gebetstreffen vom Augsburger ökumenischen Verein „Gebetshaus“ geplant ist. Römisch-katholische, evangelische, orthodoxe und freikirchliche Christen seien willkommen, ebenso jede/r andere Mitbetende: „Der Heilige Geist liebt die Vielfalt.“ (kap . vn v. 11. 5.)

  1. Papst Franziskus hat den koptisch-orthodoxen Patriarchen Tawadros II. angerufen, um die gegenseitigen Bande der Geschwisterlichkeit in Zeiten der Pandemie zu erneuern. Der Anruf erfolgte aus Anlass des 10. Mai, dem Tag, an dem der Papst und der ägyptische Patriarch ihr Versprechen des täglichen und gegenseitigen Gebets erneuern. Denn im Jahr 1973 war am 10. Mai zum ersten Mal ein Papst, damals Paul VI., mit dem koptischen Patriarchen Shenouda III. zusammengetroffen. Im Telefongespräch, so berichtet die Nachrichtenagentur „Fides“, hatte Franziskus „seine Liebe und Wertschätzung für Ägypten und die Ägypter“ ausgedrückt. Beide Kirchenoberhäupter wollen am Welttag des Gebets (14. Mai) – auf Initiative des „Hohen Komitees für die menschliche Geschwisterlichkeit“ – fasten und mit Werken der Nächstenliebe teilnehmen zur Befreiung des Planeten vom Coronavirus. Das interreligiöse Hohe Komitee mit Sitz in Abu Dhabi setzt sich aus religiösen Führern und Gelehrten aus der ganzen Welt zusammen. Inspiriert wurde das Komitee durch das Dokument über die Geschwisterlichkeit, das Papst Franziskus und der Großimam der Kairoer al-Azhar- Universität, Ahmed al-Tayyeb, am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet hatten. (fides u. vn v. 12. 5.)

  2. Für „neue Akzente in der Ökumene“ hat der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Domdekan Rudolf Prokschi, in einem Interview in der Ausgabe des „Pro Oriente“-Magazins plädiert: „Strukturell geht es darum, den bisher rechtlich unverbindlichen Zusammenschluss von Kirchen in eine neue Form zu bringen“. Der ÖRKÖ-Vorsitzende ist auch dafür, Gespräche mit christlichen Gemeinschaften aufzunehmen, die noch außerhalb stehen, z.B. mit freikirchlichen Gemeinden. Durch einen jahrzehntelangen Prozess sei die Ökumene in Österreich gut gewachsen: „Wir können dankbar auf diesem Fundament, das Pioniere vor uns gelegt haben, weiterbauen und neue Schritte wagen“. Aber das eigentliche Ziel, „die sichtbare Einheit in der eucharistischen Gemeinschaft“, dürfe nicht aus den Augen gelassen werden. Sehr wichtig sei es, die Jugend für die Ökumene zu begeistern. Daher sei in der neu konstituierten Ökumene-Kommission der Erzdiözese Wien auch eine Jugend-Arbeitsgruppe gebildet worden. (kap v. 18. 5.)

  3. Ökumene-Bischof Gerhard Feige würdigt zum 25-Jahr-Jubiläum die Enzyklika „Ut unum sint“ (Damit sie eins seien): „Was Johannes Paul II. darin der katholischen Kirche mit auf den Weg gegeben hat, ist nach wie vor aktuell“, sagte der Magdeburger Bischof zum Erscheinen des Dokumentes am 25. Mai 1995. Die Enzyklika zeuge von einer „großen ökumenischen Weite im Denken und von einer großen geschwisterlichen Offenheit“. Bezeichnend sei die tiefe Wertschätzung für die Güter und Gaben der nicht-katholischen Kirchen und Gemeinschaften. „Eine Ökumene, die im Geist von ‚Ut unum sint‘ nicht an Defiziten orientiert ist, sondern die Gaben im Blick hat, die die anderen in das gemeinsame christliche Haus einbringen, schafft Zuversicht“. Johannes Paul II. habe einen Dialog über das Papst-Amt und dessen Ausübung angeregt. Damit habe er, „ohne das Papstamt als solches infrage zu stellen, eine Perspektive eröffnet, gemeinsam nach einer Form zu suchen, in der es seinen Einheitsdienst für alle Christen erfüllen kann”. Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus hätten die Inhalte dieser wegweisenden Enzyklika mit je eigenen Akzenten fortgeschrieben. Sie sei heute der Grundstein für die Ökumene, sagte Feige. (vn v. 22. 5.)

  4. Vor 25 Jahren erschien die Ökumene-Enzyklika „Ut unum sint’“ (Damit sie eins seien) von Papst Johannes Paul II. In einem Brief an den Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch geht Papst Franziskus auf die Bedeutung dieser Enzyklika ein: Vor dem Horizont des Heiligen Jahres 2000 wollte Johannes Paul II. der Kirche „auf ihrem Weg in das dritte Jahrtausend die eindringliche Bitte ihres Meisters und Herrn ans Herz legen. … An diesem Jahrestag danke ich dem Herrn für den Weg, den wir mit seiner Gnade als Christen auf der Suche nach der vollen Einheit zurücklegen konnten“, so Franziskus. Das Ökumene-Dikasterium arbeite daran, „ in der Kirche das Bewusstsein für dieses unverzichtbare Ziel wachzuhalten“. Er nannte zwei Initiativen: Die erste ist das an die Bischöfe gerichtete Vademecum zur Ökumene im kommenden Herbst. Dieses wolle „eine Ermutigung wie ein Leitfaden für die Ausübung ihrer ökumenischen Verantwortung sein“. Die zweite Initiative sei die Zeitschrift „Acta Oecumenica“, mit der der Informationsdienst des Dikasteriums „ausgebaut und ein Hilfsmittel für alle, die im Dienst an der Einheit tätig sind, angeboten wird“. Papst Franziskus ruft alle auf, gemeinsam den Heiligen Geist anzurufen, „dass er unsere Schritte leiten möge und dass jeder mit neuer Intensität den Aufruf höre, für die ökumenische Sache zu arbeiten“. (vn v. 25. 5.)

  5. Als einen „der grundlegenden Texte der Ökumene seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil“ hat der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, die Enzyklika „Ut unum sint“ von Papst Johannes Paul II. gewürdigt. Der Text zeige die Verwurzelung des ökumenischen Gedankens im Neuen Testament und im „Willen und Beten des Herrn“, so Manzke in einer Aussendung anlässlich des 25. Jahrestages der Enzyklika. Dadurch werde deutlich, dass die ökumenische Ausrichtung zu den unverzichtbaren Wesensmerkmalen der christlichen Kirche gehöre. „Hinter diese Erkenntnis können unsere Kirchen heute nicht zurückfallen“. Johannes Paul II. habe die ökumenischen Beziehungen seiner Kirche nicht im Bewusstsein für die Defizite der anderen Kirchen und Gemeinschaften begründet, sondern in einen Geist der Offenheit, der auch bestehende Unterschiede als gegenseitige Bereicherung ansehen kann. Dieser richtungsweisende Ansatz sei zuletzt auch in der Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zum Kommunionsempfang konfessionsverbindender Ehepaare und in dem Studiendokument „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ des Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen aufgegriffen worden. Manzke erinnert daran, dass Papst Franziskus für die Bischofssynode im Oktober 2022 das Thema „Synodalität der Kirche“ auf die Tagesordnung gesetzt hat. Das zeige, dass das „Nachdenken über die evangeliumsgemäße Leitung der Kirche“ weitergehe. „Wir dürfen mit Spannung darauf schauen, welche ökumenischen Impulse von diesen Überlegungen weiterhin ausgehen“. (vn v. 26. 5.)

Hoffnungszeichen ab 8. März 2020 (+Anfang April 2020) Paul Weitzer
Ökumene
1. Zum Zeichen der Einheit der Orthodoxie wurde in der serbisch-orthodoxen Mariä Geburt-Kirche in Wien-Neulerchenfeld die Panorthodoxe Vesper zum „Sonntag der Orthodoxie“ gefeiert. Dem Gottesdienst standen Metropolit Arsenios (Kardamakis) und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) vor. Mit ihnen feierten viele orthodoxe Geistliche und Gläubige aus unterschiedlichen Jurisdiktionen, darunter auch der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar und stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Nicolae Dura. Metropolit Arsenios sagte in seinem Schlusswort: „Wir sind eine Kirche. Wenn eine Ortskirche leidet, leidet die ganze Orthodoxie mit.“ Er hob als Vorsitzender der Orthodoxen Bischofskonferenz die gute Situation der Orthodoxie in Österreich hervor. Das sei auch der „brüderlichen Liebe“ der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche zu danken. Dankbar erinnerte der Bischof daran, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2010 beschlossen hatte, die Neulerchenfelder Kirche der serbisch-orthodoxen Kirche zu übergeben. (kap v. 9. 3.)
2. Während des Angelus-Gebets hat Papst Franziskus die Weltkirche dazu aufgerufen, der Corona-Pandemie mit der „Universalität des Gebets, des Mitgefühls und der Zärtlichkeit“ entgegenzutreten. Alle Gläubigen waren dazu eingeladen, gemeinsam mit dem Papst um 12 Uhr das Vaterunser zu beten. Auch der „Ökumenische Rat der Kirchen“ in Genf hat die Initiative unterstützt. Das geeinte Gebet in schwerer Zeit erinnere daran, „dass wir eine menschliche Familie sind“, erklärte Weltkirchenrat-Generalsekretär Olav Fykse Tveit. Auch von der ökumenischen Organisation „Konferenz Europäischer Kirchen“ in Brüssel ist die Einladung begrüßt worden. Das Vaterunser habe schon immer das Christentum über Raum und Zeit hinweg vereint, heißt es in einem Statement. „Die Welt von heute ruft uns auf, vereint zu sein“, schrieben KEK-Präsident Christian Krieger und KEK-Generalsekretär Jorgen Skov Sorensen. (vn v. 25. 3.)
3. Die beiden großen Kirchen Deutschlands wenden sich gegen die These, das Coronavirus als Strafe Gottes zu sehen. „Jesus steht für das Leben, und Gott ist ein Gott des Lebens“, so der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auf www.bild.de. Der Hildesheimer römisch-katholische Bischof Heiner Wilmer nannte die Rede von einer Strafe Gottes „vollkommen unchristlich“. Die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmöller, sagte in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur: „Gott straft nicht, sondern Gott rettet.“ Vor allem rechts-konversative Kreise konstruieren einen Zusammenhang zwischen Gott und der Pandemie. Bedford-Strohm betonte, es könne nicht sein, dass Gott ein Virus schicke, um Menschen zu töten, denn Jesus habe geheilt. „Alle, die jetzt helfen und Leben retten, sind so etwas wie die Hände Gottes.“ Die Bibelwerk-Chefin ging auch auf die apokalyptischen Texte der Offenbarung im NT ein und nannte sie Hoffnungsbilder: „Die in Gemälden dargestellten Visionen der apokalyptischen Reiter oder der sieben Engel mit den Schalen des Zorns sind zwar gruselig, aber sie wollen eigentlich Mut machen.“ Bischof Heiner Wilmer betonte im Kölner Stadt-Anzeiger, der Gedanke eines strafenden Gottes, der der Menschheit eine Quittung für Fehlverhalten präsentiere, sei „vollkommen unchristlich. Die Corona-Krise ist keine Strafe Gottes.“ Er rief dazu auf, „ohne Verharmlosung, ohne Vertröstung“ mit Leid umzugehen. Gott sei in den Leidenden und Sterbenden gegenwärtig. (kna v. 30.3.)

Hoffnungszeichen ab 9. Februar 2020 (+Anfang März 2020) Paul Weitzer
Ökumene
1. Die ökumenische Saat des Guten geht auf: Metropolit Hilarion, „zweiter Mann“ der russisch-orthodoxen Kirche, wünscht sich mehr Zusammenarbeit der russisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche für die Christen im Nahen Osten. Der russische Metropolit war in Rom, um an den Feierlichkeiten des vierten Jahrestages des Treffens von Patriarch Kyrill I. mit Papst Franziskus in Havanna teilzunehmen. Es sei ein Meilenstein in der ökumenischen Geschichte gewesen, so Metropolit Hilarion im Interview mit Radio Vatikan. „Ich selber habe Papst Franziskus schon oft getroffen, das erste Mal am Tag nach seiner Amtseinsetzung. Jedes Mal besprechen wir den Stand der Dinge über die Beziehungen zwischen unseren Kirchen und die gemeinsamen Projekte, die wir unternehmen könnten. […] Die russisch-orthodoxe Kirche teilt vollständig die Sorge des Papstes, was die Christen im Nahen Osten betrifft. Das war ja auch der Hauptgrund für das Treffen auf Kuba vor vier Jahren. Im Nahen Osten findet praktisch ein Genozid an Christen statt.“ Nach einem Gespräch Hilarions mit dem vatikanischen Ökumene-Verantwortlichen Kardinal Kurt Koch folgte ein „ökumenisches Konzert“ mit dem päpstlichen Sixtina-Chor und dem russisch-orthodoxen Chor aus Moskau. (vn v.13. 2.)
2. Erstmals wird zum Weltgebetstag der Frauen am 6. März ein großer ökumenischer Gottesdienst im Wiener Stephansdom gefeiert. Der Weltgebetstag der Frauen, der seit 1927 am ersten Freitag im März begangen wird, ist die größte ökumenische Basisbewegung von Christinnen. Seine Wurzeln liegen in der Weltmissionsbewegung des 19. Jahrhunderts in Amerika, in deren Rahmen eine eigenständige Frauenbewegung entstand. 1957 wurde der erste ökumenische Gottesdienst zum Weltgebetstag in der Wiener Lutherischen Stadtkirche gefeiert. Ab 1971 waren auch römisch-katholische Frauen offiziell in der Weltgebetstagsbewegung vertreten. Heute wird der Weltgebetstag in Österreich von Frauenorganisationen christlicher Kirchen und Gemeinschaften getragen, die sich bereits 1975 im „Ökumenischen Nationalkomitee Österreich“ zusammengeschlossen haben: die altkatholische, anglikanische, lutherische, reformierte, methodistische und römisch-katholische Kirche sowie die Baptisten. Die Gebete, Texte und Lieder für den diesjährigen Weltgebetstag stammen aus dem afrikanischen Simbabwe. Sie stehen unter dem Motto der Bibelstelle „Steh auf und geh!“ aus der Begegnung Jesu mit einem Kranken im Johannesevangelium. „Die Aufforderung, sich von starrem, ausweglos erscheinenden Verhalten zu lösen und engagiert sich für Verbesserungen in verschiedenen Bereichen einzusetzen, trifft jede und jeden von uns“, so die Verantwortlichen des Weltgebetstags der Frauen laut der Nachrichtenagentur Kathpress. Österreichweit wird der Gebetstag am 6. März in einigen hundert Kirchengemeinden begangen. (kap u. vn v. 17. 2.)
3. Die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit aller Glaubensrichtungen in der Umweltfrage haben Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Wien betont. Sie skizzierten dazu bei einem Podiumsgespräch am Bischofssitz der serbisch-orthodoxen Kirche in Wien Ansätze einer „ökologischen Spiritualität“. „Wir sind sehr auf den Menschen und sein Schicksal konzentriert, auf die Rettung des Menschen. Eine ökologische Spiritualität, die die ganze Natur umfasst, ist uns eigentlich fremd“, sagte selbstkritisch der lutherische Bischof Chalupka im Blick auf die eigene evangelische Theologie. Vor allem im Ersten Testament gebe es aber Spuren, die den Blick weiten könnten. Nach der biblischen „Sintflut“ habe Gott mit den Menschen, aber auch den Tieren und Pflanzen, einen Bund geschlossen. Auch die römisch-katholische Kirche habe das Thema Schöpfungsverantwortung erst in den 1970er- und 1980er-Jahren wiederentdeckt, sagte Hemma Opis-Pieber, Umweltbeauftragte der Diözese Graz-Seckau. Dankbar sei sie deshalb etwa auch der orthodoxen Kirche, denn bereits 1989 hatte der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios, „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ eingeladen, den 1. September als besonderen Schöpfungstag zu begehen. Diese Initiative wurde im Laufe der Zeit auch von den anderen Kirchen aufgegriffen. Inzwischen begehen alle christlichen Kirchen gemeinsam die kirchliche Schöpfungszeit vom 1. September bis zum 4. Oktober, dem Fest des hl. Franziskus. Den direkten Zusammenhang von sozialer und ökologischer Verantwortung unterstrich auch der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic). Er ortete im Kampf gegen den Klimawandel auch einen notwendigen „Einigungsprozess“: Die Kirchen seien aufgefordert, ihrer Aufgabe des gesellschaftlichen Brückenbaus nachzukommen. Den Menschen sei ihre Verbindung mit der Schöpfung verloren gegangen, monierte die Islamwissenschaftlerin Ursula Fatima Kowanda-Yassin von der Wiener Sigmund Freud-Privatuniversität. Die Wiederentdeckung, dass nicht nur der Koran, sondern auch die Schöpfung heilig sei, wäre ein großer Schritt, so die Verfasserin des Buches „Öko-Dschihad. Der grüne Islam“. Eine eigene „ökologische Spiritualität“ könne es aus buddhistischer Perspektive nicht geben, da in der buddhistischen Weltsicht alles zusammengehöre und nichts voneinander abgetrennt werden könne, sagte Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft: „Unser Weltverständnis ist das Verständnis eines allumfassenden gegenseitigen Bedingens. Das gelte für Tiere gleichermaßen wie für Menschen. Spiritualität ohne Ethik sei jedenfalls nicht möglich, so Weißgrab weiter. Das Podiumsgespräch war Teil der Seminarreihe „Klimagerechtigkeit“, die von der Donau-Universität Krems veranstaltet wird in Kooperation mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). (kap v. 21. 2.)
4. Papst Franziskus hat erneut der orthodoxen Kirche Reliquien geschenkt. Diesmal ließ er der bulgarisch-orthodoxen Kirche durch seinen Nuntius in Sofia Reliquien des hl. Papstes Clemens sowie des hl. Märtyrers Potitus überreichen. Clemens war einer der ersten Päpste, Potitus erlitt im 2. Jahrhundert unter Kaiser Antoninus Pius den Märtyrertod. Beide werden in der bulgarisch-orthodoxen Kirche sehr verehrt und mit Serdica, dem Sofia der Antike, in Verbindung gebracht. Der orthodoxe Patriarch von Sofia, Neofit, nahm in seiner Residenz die geschenkten Reliquien entgegen. Er sprach von einem „geschwisterlichen Zeichen“ des Papstes und „einem großen Segen für unsere Kirche“. Ende März will er die Reliquien feierlich in die alte Sofia-Basilika der Stadt überführen. (vn v. 27. 2.; JA v. 8. 3.)
5. In Genf, Hochburg der protestantischen Reformation und einst Wirkungsstätte des Reformators Johannes Calvin, findet am 29. Februar in der reformierten Kathedrale Saint Pierre erstmals seit knapp 500 Jahren wieder eine römisch-katholische Messe statt. Auf Einladung der örtlichen protestantischen Gemeinde wird der Bischofsvikar der Diözese Genf, Pascal Desthieux, den abendlichen Gottesdienst leiten. Kurienkardinal Kurt Koch, aus der Schweiz stammender „Ökumene-Minister“ des Papstes, bezeichnete das bevorstehende Ereignis im Vorfeld als großes Symbol der Einheit der Christen. Laut Schweizer und französischen Medien wäre ein solcher Vorgang noch vor wenigen Jahren „absolut undenkbar“ gewesen. „Das ist eine starke ökumenische Geste, die wir mit großer Freude und Dankbarkeit aufnehmen. Ich habe nur positive Reaktionen darauf erhalten“, zitierte das reformierte Nachrichtenportal www.ref.ch Desthieux: Er werde sich bei dem Gottesdienst auch im Namen aller Katholiken entschuldigen, die die Protestanten im Laufe der Jahrhunderte „nicht respektiert, falsch eingeschätzt und verurteilt“ hätten. (kap vn v. 27. 2.)

Hoffnungszeichen ab 7. Jänner 2020 (+Anfang Feb. 2020) Paul Weitzer
Ökumene
1. Glaubensverlust in Europa, Flüchtlinge und Ökumene: Diese Themen hat der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde Roms, Michael Jonas, mit Papst Franziskus besprochen. Bei dem Treffen ging es unter anderem um die Bedeutung der christlichen Barmherzigkeit, so der lutherische Pfarrer. Er habe Franziskus auch eine erneute Einladung zum Besuch der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom überbracht. Der Papst habe ihm geantwortet, dass er für diese Gemeinde immer offen sei. (vn v. 10. 1.)
2. Der Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion (Alfejew), ist in Moskau mit Joseph Werth, dem römisch-katholischen Bischof von Nowosibirsk, zusammengetroffen. Bei der Begegnung war auch der scheidende Vatikan-Botschafter in Moskau, Erzbischof Celestino Migliore, anwesend. Die Beziehungen zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche und „Fragen des gemeinsamen Interesses“ waren laut Angaben des Außenamts des Moskauer Patriarchats die Themen. (kap u. vn v. 15. 1.)
3. In Deutschland wird die bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen in Hannover eröffnet. Der Eröffnungsgottesdienst soll besonders an Menschen auf der Flucht erinnern, kündigte die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) an. Als Symbole kämen unter anderem ein Rettungsboot in der Kirche und beschriftete Rettungswesten zum Einsatz. Die Predigt soll der orthodoxe ACK-Vorsitzende, Erzpriester Radu Constantin Miron, halten. Daneben hätten weitere Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft ihre Teilnahme angekündigt, darunter auch der Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger. (kna u. vn v. 16. 1.)
4. Die Feier der „Großen orthodoxe Wasserweihe“ ist in Österreich in den vergangenen Jahren längst zu einem konfessionsübergreifenden kirchlichen Fest geworden. Am 12. Jänner feierte Metropolit Arsenios (Kardamakis) die Wasserweihe in Innsbruck und Bregenz und konnte dabei u.a. auch die Bischöfe Hermann Glettler und Benno Elbs begrüßen. Eigentlicher Termin für die Wasserweihe ist das Hochfest der Epiphanie am 6. Jänner. In der Großen Wasserweihe kommt auch der Einsatz der Christen für die „Bewahrung der Schöpfung“ zum Ausdruck. In Bregenz warfen Metropolit Arsenios und Bischof Benno Elbs ein Kreuz drei Mal in den Bodensee, das jedes Mal von jungen Tauchern wieder herausgefischt wurde. Bei der Zeremonie sprach Bischof Elbs über die Bedeutung der Taufe als stärkste Verbindung zwischen den Christen. Beide Bischöfe plädierten für weitere ökumenische Schritte und zeigten sich zuversichtlich, dass die Kirchentrennung überwunden werden könne. In Innsbruck fanden Gottesdienst und Wasserweihe in der Kirche der Barmherzigen Schwestern statt. Einer der Höhepunkte des Festes war dort das Segnen und Anschneiden des traditionellen Neujahr-Glückskuchens: In diese „Vasipolita“ wird eine Münze eingebacken. Wer sie in seinem Kuchenstück findet, startet mit einer Extraportion Glück ins neue Jahr. Metropolit Arsenios und Bischof Glettler nahmen das Anschneiden des Kuchens gemeinsam vor. Jene orthodoxe Gläubige, die das Weihnachtsfest nach dem Julianischen Kalender feiern – vor allem die russisch-orthodoxe und serbisch-orthodoxe Kirche – feiern die Wasserweihe am 19. Jänner. (kap v. 16. 1.)
5. Als getaufte Christen glauben wir, dass Christus uns in jenen Menschen begegnen will, die im Leben buchstäblich oder im übertragenen Sinne Schiffbruch erlitten haben. Das sagte der Papst bei einer Audienz für die lutherische Delegation aus Finnland, die seit Jahren zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen den Vatikan besucht. Dann erläuterte der Papst die Bedeutung der Taufe, die alle Christen vereine. Was ebenfalls vereine, sei nicht nur das gemeinsame Beten, sondern auch das gemeinsame Handeln und meinte – ohne sie namentlich zu erwähnen – Flüchtlinge, die im Meer in Seenot geraten. Die finnischen „Freunde“ bat er, „als Boten der Menschheit, als Empfänger der Güte des fleischgewordenen Gottes“ zu handeln. Alle Christen seien „gemeinsam in der Gemeinschaft aller Getauften unterwegs“. Zum Schluss seiner Rede erinnerte der Papst an zwei Ebenen der Ökumene. Einerseits stünde die geistliche Ökumene gerade in der Gebetswoche im Mittelpunkt, andererseits gebe es den ökumenischen Dialog, der zu einer Vertiefung des Zusammenseins führt. „Möge dieses Zusammensein in Finnland weiter wachsen, sich entwickeln und Früchte tragen.“ Zum Abschluss der ökumenischen Tage findet 25. Jänner eine ökumenische Vesper am Hochfest der Bekehrung des Heiligen Apostels Paulus in der Basilika „Sankt Paul vor den Mauern“ statt. (vn v. 17. 1.)
6. Gastfreundschaft ist eine „ökumenische Tugend“, sagte Papst Franziskus am 15. Jänner bei einer Generalaudienz. Es sei wichtig, die „anderen Christen“ als „unsere wahren Brüder und Schwestern in Christus“ zu erkennen. In der Audienzhalle ging der Papst auf das Motto der diesjährigen Gebetswoche für die Einheit der Christen ein, das den freundlichen Empfang des Apostels Paulus auf der Insel Malta beschreibt. Diese „ungewöhnliche Freundschaft“ müsse auch in der Ökumene gelten: „Da mag dir dann einer sagen: ,Der ist doch ein Protestant, jener ein Orthodoxer.´ Ja, aber wir sind Geschwister in Christus.“ Der Heilige Geist säe überall seine Güte aus. Zur ökumenischen Gastfreundschaft gehöre auch der Wunsch, die Erfahrungen, die andere Christen mit Gott machten, kennen zu lernen. Die Christen müssten zusammenhalten und gemeinsam daran arbeiten, „den Migranten die Liebe Gottes, die von Jesus Christus offenbart wurde, zu zeigen. […] Wenn wir zusammenarbeiten, um die ökumenische Gastfreundschaft zu leben, insbesondere gegenüber denen, deren Leben am verwundbarsten ist, werden wir alle, alle Christen – Protestanten, Orthodoxe, Katholiken, alle Christen – bessere Menschen, bessere Jünger und ein geeinteres christliches Volk sein. Dies wird uns der Einheit, die Gottes Wille für uns ist, noch näherbringen“, so der Papst. (vn v. 19. 1.)
7. Im Zeichen des 75. Geburtstags von Kardinal Christoph Schönborn und des Gedenkens an die koptischen Märtyrer in Libyen stand am 14. Jänner der „Ökumenische Empfang“ des Wiener Erzbischofs anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Eindrucksvoller Auftakt war die Vesper im byzantinischen Ritus im Wiener Priesterseminar, die Michael Prohazka, ein „Pro Oriente“-Vorstandsmitglied, Vizerektor des „Collegium Orientale“ in Eichstätt und frühere Abt des Stiftes Geras, zelebrierte. Dabei wurde an jene 20 koptische Christen und an ihren ghanesischen Kollegen gedacht, die islamistische Terroristen im Februar 2015 ermordeten. Zahlreiche RepräsentantInnen der christlichen Kirchen Wiens, wie z.B. Kardinal Schönborn, der orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka und Domdekan Rudolf Prokschi, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), nahmen daran teil. Im Hinblick auf die heutige Situation in der Ökumene unterstrich Kardinal Schönborn, dass es viele erfreuliche Ereignisse gegeben habe und nannte als Beispiele das 500-Jahr-Gedenken der Reformation 2017 oder im Vorjahr die 150-Jahr-Feier der Baptisten in Österreich. Besonders hob er eine Niederlassung der Bruderhof-Gemeinschaft aus der Tradition der Täufer („Hutterer“) im Weinviertel hervor. „Ich erlebe es als Geschenk, dass diese Gemeinschaft bei uns wieder Fuß fassen kann“. (kap u. vn v. 19. 1.)
8. In Kasachstan wurde ein Ökumenischer Rat der Kirchen gegründet. Darin sind die russisch-orthodoxe, die römisch-katholische und die evangelisch-lutherische Kirche vertreten. Dies bestätigte der Vorsitzende der römisch-katholischen Bischofskonferenz des Landes, Jose Luis Mumbiela Sierra, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „Fides“. Die Initiative sei ein wichtiges „Zeichen der Einheit“. „Wir freuen uns sehr, dass die Idee Gestalt angenommen hat, denn dies ermöglicht uns auch, unsere Beziehungen in der Region zu verbessern“. Die Liturgiesprache ist zwar Russisch, er möchte aber die Glaubensverkündigung auch in kasachischer Sprache fördern (vn v. 30. 1.)
9. Die internationale Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen tagt derzeit in der syrisch-orthodoxen Patriarchen-Residenz im libanesischen Atchaneh. Auch Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen und Ko-Vorsitzender der internationalen Kommission, nimmt daran teil. Am 27. Jänner empfing der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatios Aphrem II. die Kommissionsmitglieder und unterstrich die Bedeutung des Dialogs, der die Kirchen der „Einheit in Christus“ nähergebracht habe. Aphrem II. besuchte auch seinen syrisch-katholischen Amtsbruder Mor Ignatios Yousef III. Younan in dessen Amtssitz in Beirut. An diesem ökumenischen Treffen nahmen auch die beiden Ko-Vorsitzenden der katholisch-orientalisch orthodoxen Dialogkommission – Kardinal Koch und der koptisch-orthodoxe Metropolit Anba Kyrillos – und weitere Mitglieder der Dialogkommission teil. Yousef III. ging in seiner Ansprache auf den Heiligen Ephrem den Syrer ein, der schon vor 100 Jahren auch von der römisch-katholischen Kirche als Heiliger anerkannt wurde. Damit unterstrich er die Bedeutung des Heiligen im Hinblick auf die Annäherung der Kirchen. (kap u. vn v. 30. 1.)

ab 11. Dez. 2019 (+Anfang Jän. 2020)

Paul Weitzer

1. Zusammen mit dem Weltkirchenrat (WKR) will der Heilige Stuhl in Zukunft die Solidarität mit Bedürftigen anderer Religionen bestärken. Zu diesem Zweck veranstaltete der Päpstliche Dialograt ein Treffen mit Vertretern des WKR. Das Projekt trägt den Titel: „Einer verwundeten Menschheit dienen: unterwegs zu interreligiöser Solidarität“. Das ökumenische Treffen am Sitz des päpstlichen Dialogrates sei ein Ideenfindungstreffen gewesen, heißt es in einer Aussendung der Kurienbehörde. Eingeladen waren römisch-katholische und protestantische Fachleute sowie Vertreter christlicher Wohltätigkeitswerke. (vn v. 11. 12.)
2. Die römisch-katholischen und orthodoxen Bischöfe in Deutschland wollen den Christen die Bedeutung des Kirchenjahres näherbringen. Die Gemeinsame Kommission der Deutschen und der Orthodoxen Bischofskonferenz erarbeiteten eine Gesamtausgabe ihrer Texte über das „Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens“ über einen Zeitraum von zehn Jahren. Die Texte befassen sich mit dem Sonntag als dem „Urfeiertag“ aller Christen, Ostern als dem Hauptfest der Kirche in Ost und West, Weihnachten sowie mit weiteren wichtigen Festen. Die Vorsitzenden der Kommission, der orthodoxe Metropolit Augoustinos und der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, erklärten, die Publikation hebe Gemeinsamkeiten hervor und betrachte Unterschiede zwischen den Glaubenstraditionen als Bereicherung. Es gebe zahlreiche „Brücken, die der gegenseitigen Wahrnehmung und dem wechselseitigen Verständnis dienen“. Augoustinos betonte, viele der beschriebenen Feste seien in beiden Traditionen verortet und würden häufig auch am gleichen Tag gefeiert. „Dies bewusst zu machen, kann dazu beitragen, dass orthodoxe und katholische Christen in Deutschland noch stärker die Gemeinschaft im Glauben erkennen und einander näherkommen“. Die Gemeinsame Kommission ist ein katholisch-orthodoxes Dialogforum und kommt zweimal jährlich zusammen. (kna u. vn v. 11. 12.)
3. Ein besonderes Jubiläum feierte das Ökumene-Netzwerk „Miteinander für Europa“ in Ottmaring bei Augsburg. An dem Ort, an dem vor 20 Jahren Vertreter des Lutherischen Weltbundes und der römisch-katholischen Kirche die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ unterzeichnet hatten, kamen rund 300 Vertreter aus 55 christlichen Gemeinschaften und Freikirchen aus 25 Ländern Europas zusammen. „Ihr seid Botschafter der Versöhnung“, ermutigte bei der Feier der evangelische Bischof Christian Krause die Anwesenden. Er hatte 1999 als Präsident des Lutherischen Weltbundes das Dokument mitunterzeichnet und erinnerte als einer der Zeitzeugen an die vielen ermutigenden Schritte, die in der Ökumene seitdem getan wurden. Es brauche gerade heute – im aktuellen Klima zunehmender politischer Polarisierung – die Erfahrung der geistlichen Gemeinschaften über versöhnte Verschiedenheit. Zahlreiche ökumenische Initiativen stellten sich in kurzen Beiträgen vor. Der Moderator des Ökumene-Netzwerkes, Gerhard Proß sagte, im derzeitigen „Klima der Enttäuschung, des Verlusts an Glaubwürdigkeit der Kirchen und der ausbleibenden Aufbruchsstimmung“ liege eine große Chance darin, die positiven Erfahrungen zwischen Amt und Charisma, zwischen Kirchenleitung und charismatisch geprägten Ausdrucksformen von Glaubensleben in den Bewegungen zu bezeugen: „In Zeiten des Auseinanderdriftens und der Tendenzen zur Abgrenzung wollen wir ein prophetisches Zeichen für ein glaubwürdiges Miteinander in Europa sein“. Am Abend machte sich die Gruppe aus dem Rathaus auf den Weg in die evangelische Kirche St. Anna, in der 1999 die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ unterzeichnet worden war. Dort endete der Tag mit einem ökumenischen Gebet und einer Lichterprozession. (vn v. 11. 12.)
4. Die wechselseitige Teilnahme am Abendmahl, wie sie vom Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und römisch-katholischer Theologen in seinem jüngsten Votum vorgeschlagen werde, stößt auf durchwegs positive Resonanz. Er habe „noch keine Fundamentalkritik“ dazu vernommen, sagte der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad bei der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Er fände es „wichtig, Konsequenzen aus dem Papier zu ziehen“, das sich für eine Öffnung der konfessionellen Mahlfeiern für Christen aus der jeweils anderen Tradition ausspricht. Eine vom „Kontaktgesprächskreis“ des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz eingerichtete Arbeitsgruppe solle bis zum Ökumenischen Kirchentag 2021 grundlegende Perspektiven zur Zukunft der Ökumene in Deutschland entwickeln und beschreiben, welche Freiräume ökumenischer Praxis sich daraus ergäben. Rückhalt für den „Synodalen Weg“ der römisch-katholischen Kirche in Deutschland gab es vom evangelischen Landesbischof Karl-Hinrich Manzke. „Aus evangelischer Sicht wird man mit großem Respekt sagen dürfen, dass dieser Synodale Weg in jeder Hinsicht ein fordernder und außerordentlich anspruchsvoller Aufbruch ist“, erklärte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. (kna u. vn v. 12. 12.)
5. Eine optimistische Sicht des Ökumenismus entwickelte der Generalsekretär des Weltkirchenrats (WKR) , Pfarrer Olav Fykse Tveit, in einem Gastvortrag am Institut für ökumenische Studien der päpstlichen „Angelicum“-Universität in Rom. Es gebe eine „christliche Hoffnung auf einen ökumenischen Frühling“. Die ökumenische Bewegung sei vital und relevant. Fykse Tveit nahm in seiner Vorlesung auf die Enzyklika Johannes Pauls II. „Ut unum sint“ Bezug, die 1995 veröffentlicht wurde. Als Papst Franziskus im Juni 2018 nach Genf zum WKR kam, sprach er nicht von Winter, sondern von seiner Hoffnung auf das Aufblühen eines neuen ökumenischen Frühlings, betonte Fykse Tvei. „Die Einheit, die wir suchen, könnte auch der Pilgerweg sein, auf dem wir gemeinsam unterwegs sind […] Wenn wir einander lieben, ringen wir darum, unsere Gemeinschaft zu vertiefen und sie real zu machen […] Die Liebe Christi wird uns helfen, mehr zu bereuen, mehr zu versöhnen, in der Gemeinschaft zu wachsen. Trotz aller Schwierigkeiten gibt es einen ökumenischen Frühling“. Tveit traf auch mit Kardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, zusammen. (kap u. vn v. 16. 12.)
6. In der Kapelle des Ökumenischen Zentrums in Genf, dem Sitz des Weltkirchenrats, hat am 16. Dezember ein besonderes Mittagsgebet für Frieden im Nahen Osten stattgefunden. Pater Yaqoub Mourad hat das Gebet geleitet. Er ist Prior des von IS-Terroristen zerstörten Klosters St. Elian in der syrischen Stadt Qaryatayn. An dem Gebet nahmen zahlreiche MitarbeiterInnen des Weltkirchenrats teil. In Genf sagte Pater Mourad, für ihn sei die stärkste Lehre aus seinen Erfahrungen in der fast vier-jährigen Gefangenschaft des IS die Notwendigkeit „zum Dialog mit unseren muslimischen Nachbarn“. Der Ordensmann appellierte an alle, „Instrumente des Friedens auf Erden“ zu sein. Das Friedensgebet wurde – überwiegend in arabischer Sprache – mit Hymnen und Gebeten aus verschiedenen Traditionen verbunden. Mit dem Aufruf zu Frieden in Syrien und dem Nahen Osten wurde auch die Bitte um Heilung für die vielen durch den Konflikt Leidenden verbunden. (vn v. 17. 12.)
7. In der tschechischen Hauptstadt Prag leben rund 4.000 Obdachlose, die bei Einsetzen des Frostes nicht alle in Nachtquartieren oder bei Freunden Unterkunft finden. Um sie vor dem Erfrieren zu bewahren, hat die Caritas der Erzdiözese Prag im Vorort Michle nun eine neue Notschlafstelle eingerichtet. Das Besondere: Die römisch-katholische Hilfsorganisation betreibt das Nachtasyl zusammen mit der christlichen Freikirche Heilsarmee. Die ökumenisch geführte Notschlafstelle befindet sich in einem leerstehenden Gebäude der Tschechischen Bahn. (Kap v. 20. 12.)
8. Zahlreiche russisch-orthodoxe Pilger haben sich in der apulischen Hauptstadt Bari versammelt, um am Grab des heiligen Bischofs Nikolaus von Myra in der Nikolausbasilika zu beten. Das Fest des in Russland am meisten verehrten Heiligen fällt nach dem Julianischen Kalender auf den 19. Dezember. Metropolit Hilarion (Alfejew), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, feierte in der römisch-katholischen Basilika die „Göttliche Liturgie“. Sein Wunsch sei es, dass die Beziehungen zwischen dem russischen und dem italienischen Volk und zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche dank der Fürsprache des Heiligen ständig vertieft würden, sagte der Metropolit. Er betrachte dies als einen Impuls des Heiligen, der von „fundamentaler Bedeutung für den Dialog zwischen den Völkern wie für den ökumenischen Dialog“ sei. (pro oriente u. vn v. 20. 12.)
9. Mit einem ungewöhnlichen Brief haben sich drei Kirchenführer, darunter Papst Franziskus, an die Bürgerkriegsparteien im Südsudan gewandt. Der Vatikan veröffentlichte ein kurzes Schreiben, in dem Papst Franziskus, Erzbischof Justin Welby, der Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft und John Chalmers, früherer Führer der presbyterianischen Kirche Schottlands, die politischen Führer des Südsudan zur Umsetzung eines Friedensabkommens drängen. Die drei Kirchenführer erklären, sie seien den politischen Führern des Südsudan in einem Moment, in dem diese sich „um eine Umsetzung des Friedensabkommens” bemühen sollten, „geistlich nahe” und beteten um ein „erneuertes Bekenntnis zum Pfad der Versöhnung und Geschwisterlichkeit”. Seit 2018 herrscht ein brüchiger Waffenstillstand. Das in Addis Abeba (Äthiopien) unterzeichnete Friedensabkommen harrt noch seiner Umsetzung. Dazu müssten die beiden Kontrahenten, Präsident Salva Kiir und sein früherer Vizepräsident Riek Machar, in einer Regierung der nationalen Einheit zusammenarbeiten. (vn v. 25. 12.)
10. In Genf, der Stadt Calvins, steht ein ökumenisches Ereignis von historischer Bedeutung bevor. Am 29. Februar wird in der Kathedrale St. Pierre erstmals seit 1535 wieder eine römisch-katholische Messe stattfinden. Zelebrant wird der römisch-katholische Bischof von Genf, Charles Morerod, sein. St. Pierre ist die Hauptkirche der Reformierten. Diese ökumenische Geste hat daher für Bischof Morerod besondere Bedeutung. Kardinal Kurt Koch, der aus der Schweiz stammende Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, bezeichnete das bevorstehende Ereignis in einer Hauptstadt des Protestantismus als großes Symbol der Einheit der Christen. Schweizer und französische Medien machten darauf aufmerksam, dass ein solcher Vorgang noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Johannes Calvin (1509-1564) wirkte 23 Jahre lang als Prediger in St. Pierre. (pro oriente u. vn v. 31. 12.)

Hoffnungszeichen ab 7. Okt. 2019 (+Anfang Nov. 2019)  Paul Weitzer
Ökumene
1. Am 31. Oktober wird in einem ökumenischen Gottesdienst in Stuttgart das 20-jährige Jubiläum der Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ gefeiert. Dabei wirken Vertreterinnen und Vertreter aller fünf Konfessionen mit, die 1999 die Gemeinsame Erklärung unterzeichnet oder sich ihr seitdem angeschlossen haben: Katholiken, Lutheraner, Methodisten, Reformierte und Anglikaner. Mit dieser Gemeinsamen Erklärung hatten der Lutherische Weltbund und die römisch-katholische Kirche 1999 erstmals offiziell einen differenzierten Konsens über die Frage der Rechtfertigung gefunden, eine Kernfrage der Reformation. Damit konnten beide Seiten feststellen, dass die jahrhundertelang wiederholten gegenseitigen Verurteilungen nicht mehr erhoben werden dürfen. Im Jahr 2006 schloss sich der Weltrat Methodistischer Kirchen der Gemeinsamen Erklärung an, im Juli 2017 die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und die Anglikanische Gemeinschaft. (vn v. 15. 10.)
2. Mehr Tempo in der Ökumene hat der österreichische serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) eingemahnt. Der interreligiöse Dialog werde die große Herausforderung für die Kirchen im 21. Jahrhundert sein, zeigte sich der Bischof bei einem Symposion im Curhaus am Stephansplatz in Wien überzeugt. Mehr Einheit unter den Christen sei deshalb Voraussetzung für diesen anstehenden Dialog mit den Religionen. Das Symposion stand unter dem Motto „Ökumene im interreligiösen Dialog“. Veranstalter waren die Wiener Diözesankommission für ökumenische Fragen, die Stiftung „Pro Oriente“, die Initiative Christlicher Orient und der Ökumene-Ausschuss des Vikariates Wien-Stadt. Petrus Bsteh, Leiter des Forums für Weltreligionen, forderte mehr Dialog mit den fernöstlichen Religionen Buddhismus, Hinduismus, Taoismus und Konfuzianismus. Aber auch mit den unzähligen archaischen Religionen gebe es noch kaum einen wirklichen Dialog, sagte Bsteh. Auch für em. Univ.-Prof. Rudolf Prokschi gibt es zum interreligiösen Dialog keine Alternative, so der designierte Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und Vizepräsident der Stiftung Pro Oriente, (kap v. 16. 10.)
3. Der Rat der christlichen Kirchen in Deutschland (RCKD) hat das Jahr 2021 zum „Jahr der Ökumene“ erklärt. Auf diese Weise soll der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt sowie andere ökumenische Veranstaltungen mit der 11. Vollversammlung des RCKD in Karlsruhe verbunden werden. Verena Hammes, Generalsekretärin des RCKD, erklärte: „Natürlich freuen wir uns alle auf den 3. Ökumenischen Kirchentag, der vom 12. bis 16. Mai in Frankfurt stattfinden wird und viele Christen in Deutschland zusammenbringt. […] Der Kirchentag ist auch eine großartige Gelegenheit, das kirchliche Leben in der Gesellschaft zu kommunizieren und gemeinsam über öffentliche Themen nachdenken. […] Neben diesen beiden großen Veranstaltungen feiert der Rat der Kirchen in Deutschland erstmals gemeinsam mit dem Schweizer und dem Österreichischen Rat am Bodensee seinen jährlichen Ökumenischen Gebetstag für die Sorge um die Schöpfung“, sagte Hammes. (vn v. 25. 10.)
4. Der Schweizer Kurienkardinal und „Ökumene-Minister“ Kurt Koch sieht die Gespräche zu einer Einheit der Kirchen auf einem guten Weg. Mit dem Konvergenzpapier des Weltkirchenrates (ÖRK) von 2013 sei „ein wesentlicher Schritt gemacht worden“, um das Ziel der Ökumene besser zu formulieren. Jetzt übermittelte Koch dem ÖRK die offizielle Antwort des Vatikan auf den Grundlagentext von 2013. Insgesamt formuliere das Dokument die bisher erreichten Übereinstimmungen recht gut, sagte Koch. Römisch-katholische und orthodoxe Kirchen forderten jedoch einen größeren und genauer formulierten Konsens, um von einer Einigung der Kirchen zu sprechen. Unterdessen geht das Verfahren beim ÖRK in die nächste Stufe. Die auf das Konvergenzpapier eingegangenen offiziellen Antworten der Kirchen sollen nun gesichtet und weiterverarbeitet werden. Im 1948 gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) sind mehr als 500 Millionen Christen aus 350 evangelischen, anglikanischen, orthodoxen und altkatholischen Kirchen verbunden. Die römisch- katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber in vielen Ausschüssen mit. (kna u. vn v. 26. 10.)

Hoffnungszeichen Sept. 2019 (+Anfang Okt. 2019)

Paul Weitzer

1. Ein Plädoyer für die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten hat der deutsche Ökumenische Arbeitskreis ÖAK vorgelegt. Demnach ist die „wechselseitige Teilnahme an den Feiern von Abendmahl/Eucharistie in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen (…) theologisch begründet“. Das Dokument evangelischer und katholischer TheologInnen trägt den Titel „Gemeinsam am Tisch des Herrn – Ökumenische Perspektiven bei der Feier von Abendmahl und Eucharistie“. Der ÖAK arbeitet eigenständig, unterrichtet aber regelmäßig die katholische Deutsche Bischofskonferenz und den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Beratungen. Vorsitzende sind die Bischöfe Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) und der Limburger Bischof Georg Bätzing. Im Gespräch mit dem Kölner Domradio betonte Bätzing „Ich muss sagen, die theologische Begründung in diesem Grundlagenpapier ist für mich so deutlich, dass ich mich nicht entziehen wollte und auch nicht konnte.“ Er trage den Text „als Frucht des ökumenischen Dialogs vieler Jahre mit“ und schließe sich dem Votum voll und ganz an. Er sehe darin „einen wichtigen und gangbaren Schritt auf dem Weg hin zu einer sichtbaren Einheit unserer beiden Kirchen“, sagte er bei der Vorstellung des Dokuments. „Die Sehnsucht wächst und die Ungeduld wächst. Ich glaube, dass hier wirklich Entscheidungen anstehen und dass das Lehramt der Kirche auch den Blick auf die Gläubigen haben muss.“ Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), hofft auf eine sachliche Debatte über das Theologen-Votum zur Kommuniongemeinschaft von Katholiken und Protestanten. Er erklärte, mit diesem Votum zur wechselseitigen Teilnahme von römisch-katholischen und evangelischen Christinnen und Christen an Abendmahl und Eucharistie stoße der Arbeitskreis „auf dem ökumenischen Weg eine Tür weit auf. […] Eine solche Möglichkeit zu eröffnen, wäre ein nächster bedeutender Schritt hin zur vollen sichtbaren Einheit der Kirche“. Der Tübinger evangelische Theologe Volker Leppin hob hervor: „Unser Votum argumentiert auf einer so breiten biblischen und wissenschaftlichen Grundlage, dass sich die Argumentationslast gegenüber dem Gewohnten umkehrt: Wer etwas gegen die Abendmahlsgemeinschaft sagen will, braucht sehr starke Gründe.“ (kna u. vn v. 11. 9.)
2. Der Erzbischof von Warschau, Kardinal Kazimierz Nycz, hat in Russland den Außenamtsleiter des russisch-orthodoxen Moskauer Patriachats, Metropolit Hilarion (Alfejew), getroffen. Metropolit Hilarion unterstrich die Bedeutung des Besuchs und erinnerte an den Warschau-Besuch von Patriarch Kyrill I. im August 2012, bei dem dieser und der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Jozef Michalik, eine gemeinsame Versöhnungsbotschaft an das russische und das polnische Volk richteten. Nycz und Hilarion zeigten sich zufrieden über das „hohe Niveau“ der bilateralen Beziehungen zwischen dem Moskauer Patriarchat und der römisch-katholischen Kirche. (vn v. 13. 9.)
3. Patriarch Bartholomaios I., das Oberhaupt der orthodoxen Christen, würdigt die Geste des Papstes, der ihm Reliquien des hl. Apostels Petrus geschenkt hat. Das sei „ein neuer Markstein und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Einheit der Christen“, sagte er in einem Interview mit Radio Vatikan und der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“. Er wisse die Geste seines „Bruders Franziskus“ sehr zu schätzen. Die Petrus-Reliquien stammen aus Ausgrabungen unter dem Petersdom. Zum Stand der Ökumene bemerkte der Patriarch, in den letzten fünfzig Jahren sei „eine lange Wegstrecke zurückgelegt“ worden. Dennoch bleibe bis zur „Wiederherstellung der Einheit“ noch „viel zu tun“. Ihm sei der „Dialog der Wahrheit“ sehr wichtig, also das theologische Gespräch über „die gemeinsamen Traditionen, auf denen wir unsere Zukunft der Gemeinschaft aufbauen könnten“. (vn v. 14. 9.)
4. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., ist von Papst Franziskus zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen worden. Die Begegnung sei in „brüderlicher Atmosphäre“ erfolgt, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni mit. Der Patriarch habe den „Wert der Synodalität in der Orthodoxen Kirche“ betont, sagte Bruni. Bartholomaios hielt sich zur Teilnahme am 24. Internationalen Kongress der „Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen“ in Rom auf. In einer Rede am Päpstlichen Orientalischen Institut betonte er, dass alle Kirchen – ob orthodox, römisch-katholisch oder reformatorisch – die grundsätzliche Verpflichtung hätten, den „anderen“ zu respektieren und anzuerkennen. Damit Dialog zustande komme, sei es notwendig, „sich von jeder Form des feindlichen Antagonismus zwischen Christen unterschiedlicher Konfession zu befreien“. (vn v. 17. 9.; JA v. 29. 9.)
5. Der ökumenische Dialog muss weitergehen, weil Jesus selbst in seinen Abschiedsreden den Christen den Auftrag zur Einheit gegeben hat. Dies betonte der Präsident der Wiener ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“, Alfons M. Kloss in Madrid beim interreligiösen Friedenstreffen der Gemeinschaft „Sant‘ Egidio“. Kloss nahm dort unter anderem mit Weltkirchenrat-Generalsekretär Olav Fykse Tveit an einem Podiumsgespräch teil. Es gehöre zum Christsein, das im Johannes-Evangelium überlieferte Wort Jesu ernst zu nehmen: „Alle sollen eins sein… damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Kloss verwies auf das Wort von Papst Benedikt XVI. (2005-2013), dass die Christen aufeinander hören und voneinander lernen sollten, was es bedeute, in der Welt von heute Christ zu sein. Voneinander zu lernen und einander besser zu kennen sei aber auch hilfreich, die eigenen Positionen klarer zu sehen, „einschließlich der Fehler und Irrtümer“. Man müsse immer die drei Ebenen des ökumenischen Dialogs im Auge behalten: Den Dialog der Theologen, den Dialog der kirchlichen Hierarchien und den Dialog auf der Ebene der Gemeinden, im gesamten „Volk Gottes“. Ökumenischer Fortschritt hänge auch vom Grad des harmonischen Austausches zwischen den drei Ebenen ab. Heute müsse man sich wahrscheinlich mehr auf das konzentrieren, „was wir gemeinsam tun können und nicht auf das, was uns trennt“, sagte Kloss. (kap u. vn v. 18.9.)
6. In ökumenischer Eintracht richteten die christlichen Bischöfe einen Appell an ihre Christen, im Land Syrien zu bleiben bzw. zurückzukehren: Patriarch Mor Ignatius Ephräm II. (syrisch-orthodoxe Kirche), Patriarch Youhanna X. (griechisch-orthodoxe Kirche), Patriarch Youssef Absi (melkitische griechisch-katholische Kirche) und der Apostolische Nuntius Kardinal Mario Zenari. Sie betonten auch die Einheit Syriens und des syrischen Volkes und ihre Solidarität mit den Friedensbemühungen der Regierung. (CSI-Zeitung 09/2019)
7. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. besuchte die albanischsprachige griechisch-katholische Eparchie Lungro im süditalienischen Kalabrien. Es ist eine Kurzvisite von hoher ökumenischer Bedeutung: Anders als im Hinblick auf die sonstigen katholischen Ostkirchen des byzantinischen Ritus gibt es mit der griechisch-katholischen Kirche in Italien seitens der orthodoxen Kirche keine Berührungsängste. Das hängt damit zusammen, dass die vor der osmanischen Eroberung nach Süditalien geflüchteten Albaner zwar die Gemeinschaft mit dem Papst aufgenommen hatten, aber nie eine formelle Union mit Rom abschlossen. Anlass des Besuchs des Patriarchen ist das 100-Jahr-Jubiläum der Eparchie Lungro, die 1919 von Papst Benedikt XV. errichtet worden ist. Der Patriarch ist auch Ehrengast des feierlichen Vespergottesdienstes in der griechisch-katholischen Kathedrale San Nicola di Mira in Lungro. Der Besuch in Lungro werde es dem Ökumenischen Patriarchen erlauben, eine „byzantinische Realität im Herzen der katholischen Kirche“ zu erleben, betonte Generalvikar Lanza. Die „konstantinopolitanische Tradition“ sei hier dank des Schutzes der Päpste treu bewahrt worden. Dies habe es möglich gemacht, das „kostbare liturgische und spirituelle Erbe des Orients“ in der Westkirche erlebbar zu machen. Die Eparchie von Lungro wolle einen Beitrag leisten, damit der von Jesus in den Abschiedsreden formulierte Wunsch, „dass alle eins seien“, verwirklicht wird und der „Skandal der Trennung“ ein Ende findet, der bisher verhindert, dass „die Kirche mit beiden Lungen – der östlichen und der westlichen“ – atmen kann. Die Begegnung in Lungro zeige, dass trotz aller historischen Ereignisse der Wunsch nach Einheit stark ist und der Wunsch besteht, „auf dem Weg der brüderlichen Annäherung von Katholiken und Orthodoxen voranzuschreiten“, sagte Lanza (vnv. 18. 9.)
8. Der aktuelle theologische Dialog zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche versucht, ein gemeinsames Verständnis der Synodalität im Dienst der Einheit der Kirche zu finden. Das sagte Papst Franziskus bei einer Audienz für die Teilnehmer an einer Tagung, die die Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens organisiert hatte. Das Tagungsthema lautete: „50 Jahre der Begegnung unter den Ostkirchen: wie das Kanonische Recht zum Ökumenischen Dialog beiträgt“. Ihre Forschungstätigkeit sei von „grundlegender Hilfe für den ökumenischen Dialog“, würdigte der Papst die Arbeit der Experten für Ostkirchenrecht, die sowohl aus römisch-katholischen und unierten als auch orthodoxen Kirchen stammen. „Wieviel können wir voneinander lernen!“, betonte der Papst gegenüber seinen Gästen, und das „in allen Feldern des kirchlichen Lebens“: „In der Theologie über das spirituelle sowie liturgische Leben bis hin zur pastoralen Aktivität und natürlich auch im kanonischen Recht. […] Wir haben die Möglichkeit, von der synodalen Erfahrung der anderen Traditionen zu lernen, vor allem von denen der Ostkirchen.“ Dies sei, so der Papst weiter, eine „ökumenische Herausforderung“: „Der Einsatz zum Aufbau einer synodalen Kirche – eine Mission, zu der wir alle gerufen sind, jeder in der Rolle, die der Herr ihm anvertraut – hat große ökumenische Auswirkungen.“ Die Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen wurde 1969, kurz nach dem II. Vatikanischen Konzil, vom Jesuitenpater Ivan Žužek gegründet, der auch federführend bei der Erstellung des Gesetzbuches der katholischen Ostkirchen war. (vn v. 19. 9.)
9. Kurienkardinal Kurt Koch hat eine weitere Debatte über Fortschritte in der Ökumene angeregt. „Wir müssen über eine graduelle Anerkennung kirchlicher Ämter anderer Konfessionen nachdenken“, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen im Gespräch mit Vertretern der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Rom. Weiters erinnerte Koch an die römisch-katholische Position, wonach das Kirchenverständnis untrennbar mit der Eucharistie verbunden ist. (kna . vn v. 27.9.)

Hoffnungszeichen ab 7. Aug. 2019 (+Anfang Sept. 2019) Paul Weitzer

1. Nordrhein-Westfalen weitet im neuen Schuljahr den gemeinsamen Religionsunterricht von römisch-katholischen und evangelischen SchülerInnen aus. Voraussichtlich 356 Schulen werden den sogenannten „konfessionell-kooperativen Religionsunterricht“ anbieten, teilte das Schulministerium in Düsseldorf mit. Nach Maßgabe der Kirchen dürfen die konfessionellen Grenzen aber nicht verwischt werden. Ein verpflichtender Wechsel zwischen römisch-katholischen und evangelischen FachlehrerInnen soll gewährleisten, dass die SchülerInnen beide konfessionellen Perspektiven kennenlernen. Auf diese neue Form des Religionsunterrichts hatten sich die drei evangelischen NR-WF-Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen und Lippe sowie die römisch-katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn geeinigt. „Dieses Angebot stärkt die Gemeinsamkeiten der Konfessionen“, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Die Zahl der teilnehmenden Schulen steigt in den Grundschulen von 30 (2018/19) auf heuer 59, in den Gesamt-/Sekundarschulen von 46 auf 82, in den Gymnasien von 23 auf 50. (vn [=Vatican News] v. 16. 8.)
2. Papst Franziskus hat der „Union der methodistischen und waldensischen Kirchen“ zur Eröffnung ihrer Synode seine „brüderliche Nähe und die der ganzen katholischen Kirche“ versichert. 180 Delegierte, Pastoren und Laien, beraten in den kommenden fünf Tagen über Themen wie Religionsfreiheit, die Beziehungen zwischen Kirchen und Staat, Ökumene und interreligiösen Dialog. Die eröffnende Prozession zum Waldenser-Tempel sowie die Predigt war der lokalen Waldenserpredigerin Erica Sfredda anvertraut. In seiner Grußbotschaft rief der Papst zur Fortsetzung des gemeinsamen ökumenischen Weges „in gegenseitigem Verständnis und Zusammenarbeit“ auf. Der Papst schließt sich dem Gebet „um eine wachsende Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen“ an. Die Waldenser wurden von dem Lyoner Kaufmann Petrus Waldes (1140-1206) gegründet. Im Sinn der Christusnachfolge betonen sie das Gebot der Armut, besonders für Amtsträger. Die Päpste verfolgten die Waldenser über Jahrhunderte als Häretiker. Die Waldenser zählen heute weltweit rund 100.000 Mitglieder, viele davon in Italien. In Rom betreiben sie eine Theologische Fakultät unweit des Vatikans. (vn v. 25. 8.)

 Hoffnungszeichen ab 7. Juli 2019 (+Anfang Aug 2019)
1. In der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz AACC herrscht Aufbruchsstimmung mit Blick auf ihren neuen Fünfjahres-Strategieplan. In dem ambitionierten, aus sechs Säulen bestehenden Plan hat der Dachverband von protestantischen, anglikanischen, orthodoxen und indigenen Kirchen neue Arbeitsfelder für sich entdeckt. Laut AACC-Generalsekretär Fidon Mwombeki sollten sich die AACC und ihre Mitglieder näherkommen, so Mwombeki, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirche in Tansania, der das Amt des Generalsekretärs im Jänner übernommen hat. Dem AACC gehören 193 Mitglieder an, darunter Kirchen, nationale Kirchenräte, theologische Ausbildungs- und Laienschulungszentren und andere christliche Organisationen aus 42 afrikanischen Ländern. Die in Nairobi ansässige Organisation repräsentiert etwa 140 Millionen Christinnen und Christen in Afrika. Nach Angaben Mwombekis wird die Strategie für die Jahre 2019 bis 2023 bereits in Teilbereichen umgesetzt, besonders in Form von Aktivitäten im Bildungsbereich. Theologie, interreligiöse Beziehungen und Entwicklung kirchlicher Führung, Genderfragen, Frauen und junge Erwachsene, Frieden, Diakonie und Entwicklung und Advocacy-Arbeit bei der Afrikanischen Union sind wichtige Bestandteile der Programmarbeit. Mit Blick auf die junge Generation plant die AACC eine Kampagne mit dem Titel „Afrika, meine Heimat, meine Zukunft“. Höhepunkt soll ein afrikanischer Jugendkongress mit rund 10.000 Teilnehmern sein. (kna v. 11. 7.)
2. Die römisch-katholische und die russisch-orthodoxe Kirche wollen ihre Zusammenarbeit für die Unterstützung der Christen im Nahen Osten stärken. Das war die zentrale Botschaft eines zweitägigen Treffens von Vertretern des Moskauer Patriarchats bei der internationalen Zentrale der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ in Rom. Den im Februar 2016 in Havanna getätigten Aufruf von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill zu gemeinsamen Hilfsprojekten in Syrien und im Irak gelte es weiterhin nachzukommen. Konkret geplant wurden gemeinsame Initiativen, die den Jugendlichen in Syrien und im Irak – unabhängig von ihrer Konfession – eine Zukunft ermöglichen sollen. Diese Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, so die Teilnehmer der Begegnung. Der russisch-orthodoxen Delegation gehörten u.a. an: der Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Stefan (Igumnov), die Direktorin des Moskauer Hilfsfonds „Poznanie“, Ekaterina Myazdrikova sowie der Prorektor des Moskauer Postgraduierteninstitutes, Hieromonach Ioann (Kopeykin). (kap v. 19. 7.)